19.11.1695: Aus der Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Stadensen

Aus der Festschrift zum 100. Jubiläum 1996

Daten und Namen wurden aus Unterlagen des Kreisarchivs, aus der Stadenser Chronik und aus dem Kassen- und Protokollbuch der Stadenser Wehr entnommen.

Am 19.11.1695 wurde von Herzog Georg-Wilhelm ein Erlass verkündet, dass künftig in den Dörfern für Feuerlöschzwecke Leitern, Eimer und Feuerhaken bereitzuhalten seien, je nach Größe des Ortes. Mit diesen Geräten konnte man aber bei Feuersbrünsten wenig ausrichten. Etwa ab 1850 wurden die ersten Feuerwehren in den Dörfern gegründet.

Im Schreiben vom 31.3.1896 vom Königlichen Landratsamt zu Oldenstadt an den Gemeindevorsteher H. Bombeck in Stadensen wird die Gemeinde gebeten, eine Feuerspritze zu beschaffen, da sie nach Lage und Größe einer solchen dringend bedarf. Es wird empfohlen, bei einer Versammlung, auf der die Beschaffung der Spritze beschlossen wird, auch die Gründung einer Feuerwehr anzuregen.

Im Schreiben vom 15.4.1896 an das Königlicher Landratsamt zu Oldenstadt teilt der Gemeindevorsteher H. Bombeck mit, dass auf der einberufenen Versammlung am 15.4.1896 die Anschaffung einer Feuerspritze beschlossen wurde, die Gründung einer Feuerwehr aber einstweilen noch in Frage gestellt ist.

Im Schreiben vom 3. Juli 1896 teilt der Vorstand der freiwilligen Feuerwehr Stadensen dem Königlichen Landratsamt mit, dass am 22. Juli 1896 die Gründung der freiwilligen Feuerwehr zustande gekommen ist und bittet um Genehmigung der eingereichten Statuten.

Mit Datum vom 7. Juli 1896 wird die Gründung der freiwilligen Feuerwehr Stadensen in dem damaligen Amtsblatt öffentlich bekannt gegeben.

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22.07.1896: Die Brandmeister

In einem weiteren Schreiben vom Vorstand der freiwilligen Feuerwehr Stadensen an das Königliche Landratsamt zu Oldenstadt wird die Wehrstärke mit 37 Mann (plus 2 Mann, die noch beim Militär sind), angegeben.

Der erste Brandmeister war der Vollhöfner Wilhelm Warnecke, Nr. 1. Weiter gehörten zum Vorstand Heinrich Hilmer, Otto Lindloff und Fritz Maaß. Laut Kassenbuch war Wilhelm Warnecke bis 1910 Brandmeister. Sein Nachfolger wird 1910 Heinrich Hilmer, der wahrscheinlich bis 1918 Brandmeister war, denn für 1916 bis 1918 gibt es wegen des 1. Weltkrieges keine Eintragungen.

Von 1919 bis 1935 wird Otto Niemann als Brandmeister geführt. 1936 wird Hermann Meyer als Brandmeister gewählt und übt diesen Posten bis zu seinem Tode 1958 aus.

Als Nachfolger wird Wilhelm Warnecke Nr. 1 gewählt. Er übt den Posten bis 1977 aus und ist heute noch Ehrenbrandmeister. (2004 wurde er mit dem Ehrenzeichen des Landesfeuerwehrverbandes für 70 Jahre Feuerwehr geehrt.)

Auf der Jahreshauptversammlung 1977 wird Hans Otto Oetzmann als Brandmeister gewählt. Am 6.1.1995 auf der Jahreshauptversammlung stellt er’s seinen Posten aus Altersgründen zur Verfügung. Neu gewählt wird Bernd Oetzmann, Barnbrucher Weg. Hans Otto Oetzmann wird zum Ehrenbrandmeister ernannt.

 

30.07.1896: Die Ausrüstung

Das erste Feuerwehrhaus stand auf dem Grundstück von Hermann Büsch. Als dieser 1910 neu baute, ließ er auf seine Kosten das Feuerwehrhaus abreißen und am Kallenbrocker Weg wieder aufbauen, auf dem Grundstück, das heute Hans Otto Oetzmann gehört. Hier wurde auch ein Trockengerüst zum Aufhängen der Schläuche errichtet.

1964 wurde von der Gemeinde Stadensen das jetzige Gerätehaus finanziert. Die Arbeiten wurden überwiegend von den Wehrmännern in Eigenleistung erbracht. Am 11.9.1964 wurde das Gerätehaus eingeweiht.

Die 1896 beschaffte Handdruckspritze mit Schlauchmaterial wurde von Brandmeister Wilhelm Warnecke, Nr. 1 vorfinanziert und in jährlichen Raten einschließlich Zinsen abbezahlt. Die erste Motorspritze wurde 1942 von der Gemeinde Stadensen für 2670 Mark gekauft. Diese ist adnn 1945 von den Engländern mitgenommen worden. Die Zweite Motorspritze, eine DKW, wurde 1946 von der Gemeinde angeschafft. Da diese immer nur mit Pferdefuhrwerk oder mit Trecker und Wagen transportiert werden konnte, beschloss die Gemeinde 1952 einen Tragkraftspritzenanhänger zu beschaffen. Die Gemeine hatte aber nicht die die 1450 DM, die der Anhänger kosten sollte, zur Verfügung. So wurde im Juli 1952 ein Appell an alle Hausbesitzer gerichtet, hierfür zu spenden. Eine Sammlung, die dann durchgeführt wurde, erbrachte einen Betrag von 1162,70 DM. Den Restbetrag wird die Gemeinde dann wohl beigesteuert haben, jedenfalls wurde der Anhänger beschafft.

1958 wurde eine Magirus-Spritze TS 8 mit VW-Motor zum Preis von 3763 DM von der Gemeinde beschafft.

Am 1.9.1964 erhielt die Wehr ein neues Gruppenfahrzeug LF 8-TS, Anschaffungspreis 35 497 DM. In diesem Jahr wurde die Wehr zur Stützpunktwehr ernannt.

1972 erhielt die Wehr eine neue Motorspritze TS 8, Fabrikat Ziegler, für 6000 DM.

Am 1.8.1980 wird der Wehr von der Samtgemeinde ein neues TLF 8-W übergeben.

Zwischenzeitlich wurde die Wehr auch mit Handfunksprechgeräten, Atemschutzgeräten, Rettungsschere und Spreizer ausgerüstet und ist somit auf dem neuesten Stand.

Aufgrund der Verordnung vom 27.9.1901 musste neben der freiwilligen Feuerwehr noch eine Pflichtfeuerwehr aufgestellt werden. Es wurden alle Männer von 21 – 65 Jahre verpflichtet, in dieser Wehr Dienst zu leisten. Aus den Unterlagen im Kreisarchiv ist zu entnehmen, dass am 23.4.1902 in Stadensen eine Pflichtfeuerwehr ins Leben gerufen wurde. Brandmeister der Pflichtfeuerwehr wurde Heinrich Heitsch, sein Stellvertreter Christoph Bock. Die sonstigen Mitglieder waren außerdem auch Mitglieder der freiwilligen Feuerwehr.

Die Statuten der Pflichtfeuerwehr wurden zunächst von der Stadenser Wehr nur mit Einschränkungen übernommen, es wurden einige Paragraphen gestrichen. In mehreren Schreiben wurde die Wehr dazu verpflichtet die Statuten wie vorgegeben zu übernehmen, was dann letztendlich geschah.

Im Schreiben vom 25.3.1907 stellt Brandmeister Heitsch seinen Posten zur Verfügung, da er in der Wehr und beim Ortsvorsteher kein Gehör findet. Die Gemeinde wird dann aufgefordert, einen neuen Brandmeister zu wählen.

Die Gemeinde teilt dann mit, dass der Brandmeister der freiwilligen Feuerwehr, Wilhelm Warnecke, den Posten mit übernimmt. Obwohl das Königliche Landratsamt damit zunächst nicht einverstanden ist, gibt es später doch seine Zustimmung. Ab 19.4.1907 ist Wilhelm Warnecke dann Brandmeister der Pflichtfeuerwehr, sowie der freiwilligen Feuerwehr. Bis wann die Pflichtfeuerwehr bestand, ist nicht bekannt.

Am 23.1.1902 stallt die Gemeinde Kallenbrock einen Antrag an die Gemeinde Stadensen, mit dieser einen Löschverband zu gründen. Es wird dann vereinbart, dass die Gemeinde Kallenbrock 100 Mark Beitrittsgeld zu zahlen hat und sich anteilig an den Neuanschaffungen zu beteiligen habe.

Am 5.4.1902 schließt sich Nienwohlde diesem Löschverband an. Hier ist ein Beitrittsgeld von 200 Mark vereinbart und die Beteiligung bei Reparaturen und Anschaffungen.

Wie lange der Löschverband bestand, ist nirgends zu entnehmen.

1933 mußten alle Wehrmitglieder, auf Verordnung der damaligen Regierung, einen ausführlichen Lebenslauf beim Landkreis einreichen, der dann ausführlich geprüft wurde und auch zum Ausschluss von Wehrmännern führte.

Im Jahre 1908 wird unter der Lindenallee in Stadensen vor dem jetzigen Grundstück von Otto Buchholz, ein Feuerlöschbrunnen gebaut, der auch heute noch genutzt werden kann..

01.01.1900: Kameradschaft in der Wehr

In den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts gab es scheinbar auch einen Spielmannszug in der Feuerwehr, denn das Kassenbuch weist mehrfach Ausgaben für Flöten und Trommelfelle aus. Otto Büsch und Heinrich Lilje werden als Flötisten genannt und Wilhelm Schulenburg und Wilhelm Oetzmann als Trommler.

Auch an Gemütlichkeit und Kameradschaft hat es in den Anfängen der Wehr nie gefehlt, denn das Kassenbuch weist oft bei Versammlungen und nach Brandeinsätzen Ausgaben für 2 Tonnen Bier aus, je Tonne 7 Mark. Wie groß die Tonnen Bier waren, ist nirgends zu entnehmen.

Man kann sagen, es hat sich bis heute an der Geselligkeit und Kameradschaft nichts geändert, nur die Aufgaben und Ausrüstungen der Wehr sind vielseitiger geworden.

Ein großer Wunsch der Wehr ist am Gerätehaus noch einen Raum für die Einsatzkleidung anzubauen, der gleichzeitig auch als Versammlungsraum genutzt werden kann. Die Planungen wurden schon 1994 in Angriff genommen. Die Ausführung ist aber wegen leerer Kassen der Samtgemeinde zurückgestellt. Der Bedarf für den versammlungs- und Schulungsraum ist aber, nachdem die letzte Gastwirtschaft in Stadensen am 30.4.1996 geschlossen wurde, um so aktueller. Vielleicht kann die Samtgemeinde in den nächsten Jahren bei aller Kraftanstrengung doch noch so viel Geld zusammenbekommen, dass dieser Anbau zustande kommt.

Wir wünschen uns für die Zukunft, dass sich immer junge Männer finden, die ihren freiwilligen Dienst in der Feuerwehr zum Wohle der Allgemeinheit leisten.

Es war nicht einfach, alle Einzelheiten der ersten Jahre nach der Gründung bis nach dem 2. Weltkrieg zusammen zu tragen. Wir haben uns aber die größte Mühe gegeben. Ihnen einen ungefähren Abriss über die Geschehnisse in der Wehr zusammen zu stellen. Sollten uns trotzdem Fehler unterlaufen sein, der Eine oder Andere etwas vermissen, das er für wichtig gehalten hätte, so möge man es uns verzeihen.

 

GOTT ZUR EHR; DEM NÄCHSTEN ZUR WEHR

 

31.01.2005: Nachwort

In der Festschrift von 1996 sind noch Fotokopien vom Schriftwechsel, der zur Gründung der freiwilligen Feuerwehr führte, die damaligen Statuten und die Dienstordnung zu finden. Außerdem sind Kopien vieler Fotos enthalten, die aber von der Bildqualität her nicht ins Netz gestellt werden können.

Der Wunsch der Feuerwehr, das Gerätehaus an- und umzubauen erfüllte sich 1999. Das erneuerte Gerätehaus wurde mit einem Feuerwehrfest offiziell in Betrieb genommen. Die damaligen Baukosten betrugen insgesamt 440 000 DM, davon 176 000 DM aus dem Dorferneuerungsprogramm und 178 000 DM aus der Feuerschutzsteuer. 1878 Stunden Eigenleistung der Wehr verringerten den Anteil der Samtgemeinde auf etwa 50 000-bis 70000 DM.

Zu erwähnen ist auch noch ein Sängerwettstreit zwischen den Ortswehren Stadensen und Nienwohlde/Kallenbrock, der auf eine Wette zurückzuführen ist. Am 2.2.2991 fand dieses wohl einmalige Ereignis im Schützenhaus Kallenbrock statt.

Die Stützpunktfeuerwehr Stadensen, ausgerüstet mit LF 8 und TLF 8-W, Atemschutzgeräten, Rettungssatz und Chemieschutzanzügen, hat eine Vielzahl ihrer Einsätze bei Verkehrsunfällen auf der Bundesstraße 4 abzuleisten.

Ortsbrandmeister Bernd Oetzmann, der bei der Generalversammlung 2005 mit dem Niedersächsischen Ehrenzeichen für 25 Jahre Feuerwehrdienst ausgezeichnet wurde, hofft das „seine“ Wehr immer genügend Nachwuchskräfte habe, damit auch künftig der ehrenamtliche Einsatz für die Allgemeinheit gesichert bleibt.

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